AGAPORNIDEN

 

7. Agapornis roseicollis

Als diese Vögel in 1793 entdeckt wurden, dachte man anfangs mit einer Unterart des Orangeköpfchens (Agapornis pullarius) zu tun zu haben. Erst in 1817 wurden sie als eine selbständige Art determiniert und bekamen ihren hiesigen Name abgeleitet vom Griechischen roseus = rosenfarbig und collum = Hals. In 1860 brachte der Groβhändler Karl Hagenbeck die ersten Pärchen nach Europa. Neun Jahre später wurden bei dem bekannten Deutschen Zoologe und Entdeckungsreisender Dr. Brehm die ersten Jungen in Gefangenschaft geboren.

 

Man unterscheidet zwei Unterarten:

 

Agapornis roseicollis roseicollis (Vieillot, 1818) - Rosenköpfchen

Wohngebiet: Südwest Afrika.

 

Agapornis roseicollis catumbella Hall, 1952 – Angola-Rosenköpfchen

Wohngebiet: Süd-Angola

Die Unterart A. r. catumbella wurde erst in 1955, anerkannt und von Neumann benannt nach dem Ort Catumbela, gelegen in Angola an der Mündung des gleichnamigen Fluβes zwischen Lobito und Beguela. In soweit ich das ermitteln konnte, kommt diese Art nicht rasserein in niederlandischen und belgischen Vogelbeständen vor.

 

Beschreibung Agapornis roseicollis roseicollis

Länge: 15 cm.

Männchen und Weibchen: Vorderkopf und schmaler Streifen über und hinter den Augen sind rot. Wangen, Zügel, Halsseiten Kehle und Oberbrust sind tief rosarot. Zwischen dem rosaroten Teil der Wangen und dem grünen Nacken befindet sich eine schmale pastelbläuliche  Überganszone. Die allgemeine Körperfarbe ist grün; Brust, Bauch, Flanken und Analbereich sind gelblich grün. Hinterkopf, Nacken, Flügeldeck und Rücken sind grasgrün; das Grün der Flügel macht einen marmorierten Eindruck. Die Daumenfittiche in der Flügelbug sind gelb; Handschwingen grau mit grüner Auβenfahne; Die Unterflügeldecken sind grün, mit bläulichem Hauch. Bürzel und Oberschwanzdecken sind tief blau, Unterschwanzdecken gelblich grün. Von den groβen Schwanzfedern, die nahezu gänzlich von den Ober- und Unterschwanzdecken verdeckt sind, sind die die primären Schwanzfedern grün, die sekundären Schwanzfedern zeigen, von der Basis aus gesehen eine schwarz-rot-schwarze Querzeichnung; die Spitzen der Schwanzfedern sind alle hellblau gesäumt. Der Schnabel ist hellhornfarbig, den Schnabelrändern entlang und am Unterschnabel etwas grünlich getönt; Schnabelspitze dunkel. Die Augen sind dunkelbraun. Die Füβe sind grau, Krallen dunkelgrau.

 

Beschreibung Agapornis roseicollis catumbella

Männchen und Weibchen: Das Angola-Rosenköpfchen ist etwas kleiner als die Nominatrasse. Die allgemeine Körperfarbe ist tiefer grün. Stirn, Wangen und Maske sind tiefer rot. Der Schnabel ist etwas rosa getönt. Alles andere wie A. r. roseicollis.

 

Habitat

In ihrem Heimatland leben diese Vögel in trockenen felsigen mit Gebüsch bewachsenen Gegenden. Wichtig dabei is die Nähe einer Wasserstelle. Diese wird meistens zweimal am Tage besucht, morgens und in dem späten Nachmittag. Es sind typische Kolonievögel die das ganze Jahr zusammen bleiben. Meistens besteht eine Kolonie Rosenköppfchen aus ungefähr 10 bis 20 Vögeln. Der Flug is schnell und direkt, wobei sie ständig ihren grellen Ruf hören lassen. Die Nahrung besteht aus allerlei Samen und Beeren. Gegen Erntezeit werden die Rosenöpfchen oft in groβen Schwärmen angetroffen, die massenhaft die Mais-, Korn- und Hirsefelder plündern. Kein Wunder, daβ sie deswegen von den Bauern heftig bejagt werden.

In der Natur brüten die Rosenköpfchen gewöhnlich in den Gemeinschafsnestern bestimmter Weberarten. So ein Gesellschaftsnest  besteht oft aus hunderten Brutkammern, wovon die Rosenköpfchen einfach welche beschlagnahmen, durch die Weber zu vertreiben. Die übriggebliebenen Brutkammern werden dann von den Webern benuzt. Die Rosenköpfchen bevorzugen die riesigen Gemeinsamsnester des Siedelwebers (Philetarius socius), die oft einen Diameter von einigen Metern haben, doch wenn die es in ihrem Wohngebiet nicht gibt, begnügen sie sich auch mit den dicht zusammen gebauten, birnenförmigen Beutelnestern des Mahaliwebers (Plocepasser mahali). Manches Mal werden auch Nester von Rosenköpfchen gefunden in Spalten und Höhlen in Felsen und Gebäude. Bemerkenswert ist, daβ die Rosenköpfchen, wenn sie sich ein Webernest ausgesucht haben, selber kein Nestmaterial herantragen, jedoch in Felsenspalten und –Höhlen von Rinderstreifen, Grashalmen oder anderem brauchbar erscheinenden Material ein Nest bauen. Ein solches von den Vögeln selbst gebauten Nest besteht meistens aus langen Rindestreifen und Grashalmen, manchmal auch Blättern.

Die Transportmethode des Nestmaterials zeigt viel Übereinstimmung mit deren der primitiveren Arten A. pullarius, A. canus und A. taranta. Bei den primitiveren Arten gebrauchen die Weibchen für den Transport des Nestmaterials ihr ganzes Körpergefieder, während das Rosenköpfchen zu diesem Zweck ausslieβend das Gefieder des Bürzels und das der Oberschwanzdecken benutzt.

 

Unterbringung und Pflege

Rosenköpfchen gehören heutzutage, auch infolge ihrer guten Zuchtbarkeit, sicher zu den meist gehalten Mitglieder der Gattung. Es sind starke Vögel, wenig empfindlich für Krankheiten und man kann sie Sommer und Winter drauβen in der Voliere lassen, vorausgesetzt es ist ein zug- und feuchtfreier Innenraum vorhanden. Mäβigen Frost können sie gut vertragen, doch die Vögel müssen dann unbedingt in Nistkästen schlafen. Bei strengem Frost muβ der Innenraum frostfrei gehalten werden.

Obwohl Rosenköpfchen in der Natur in Kolonieverband brüten, hat sich herausgestelt, daβ dies in Gefangenschaft nicht immer erfolgreich ist. In einer geräumigen Voliere, worin pro Paar zumindest zwei Nistkästen angeboten werden, kann man eine kleine Anzahl Brutpärchen zusammen halten, aber die Praxis hat erwiesen, daβ wenn man mit den Vögeln züchten will, eine paarweise Haltung zu besseren Ergebnissen führt. Nicht selten brechen bei einer Volierehaltung untereinander Streitereien aus die zu ersthaften Fuβverletzungen führen. Es ist also Sache bei Volierehaltung, vor allem die erste Zeit, die Vögel scharf im Auge zu behalten.

Wenn man, trotz den soeben genannten Bedenken, die Volierehaltung bevorzugt, dann kann man am Besten junge Vögel zusammen setzen. Sie können sich dann an einander gewöhnen und werden, wenn sie einmal Brutreif geworden sind, weniger Probleme geben.

 

Zucht

Zum Nisten kann man frische Weidenäste oder Äste von Pappeln oder Ligusterhecken oder ungespritzten Obstbaumzweigen geben. Von den Ästen knabbert das Weibchen ungefähr 10 cm lange Rindestreifen ab steckt sie zwischen ihrem Bürzelgefieder und fliegt damit zum Nistkasten. Was sie unterwegs verliert, wird merkwürdigerweise nicht mehr verwendet. Im Nistkasten baut das Weibchen in ungefähr vier Tage eine Nestmulde mit einem kleinen Vorraum der zum Einflugloch führt. Jeden zweiten Tag wird ein Ei gelegt; Gelege 3 – 6 Eier. Nachdem das Erste gelegt ist, manchmal auch nach dem Zweiten, fängt das Weibchen an zu brüten.

Das Weibchen brütet allein, aber oft leistet das Männchen ihr hierbei Gesellschaft. Während der Brutperiode verläβt das Weibchen  das Nest nur sporadisch und wird die ganze Zeit vom Männchen gefüttert. Wenn die Jungvögel nach 23 Tage schlüpfen, haben sie rötliche Daunen die sich je nachdem die Jungen älter werden allmählich in dunkelgrau verwandeln. Nach acht Tagen können die Jungen beringt werden; Ringgröβe 4,5 mm. Die Nestlingzeit beträgt 43 Tage. Nachdem die Jungen ausgeflogen sind, werden sie noch ungefähr 14 Tage von den Eltern gefüttert.

Das Stirngefieder soeben ausgeflogener Jungen ist lohfarbig grün mit einer rosaroter Tönung. Wangen und Maske sind blaβ rosa mit

graublauem Hauch. Die allgemeine Körperfarbe ist etwas matter als die der Elternvögel. Der Schnabel ist schmutzig gelb mit auf der Oberschnabel ein schwärzlicher Fleck.

Sobald die Jungen selbständig sind, sollte man sie gesondert von den Eltern unterbringen. Die Eltern beginnen dann gewöhnlich an einer zweiten Brut. Um die Weibchen vor Erschöpfung zu behüten, sollte man  nach zwei doch bestimmt nach drei Bruten keine Gelegenheit mehr dazu geben, da sonst Enttäuschungen nicht ausbleiben werden.

 

Mutationen

Bei den Rosenköpfchen sind eine ganze Reihe Mutationen aufgetreten. Sollte man jedoch von den verschiedenen Bezeichnungen der Mutationen ausgehen, dann käme man auf eine viel höhere Anzahl. Das Problem mit neuen Mutationen ist, daβ Züchter die meist blumenreichen Namen bedenken ohne zu achten auf das Wesen und Pfänotyp (= äuβerliche Erscheinungsform) der Mutation, was oft sehr verwirrend ist. Bezeichnungen wie ’Golden Cherry’ und ’Imperial Cherryhead’ sind kommerziell vielleicht verlockend, doch sagen weder etwas über das Wesen der Mutation noch über ihre Erscheinungsform. Deshalb werde ich versuchen in dem hiernach folgenden Überblick der aufgetretenen Mutationen, die Bezeichnung der Farbschläge an das Wesen und die Erscheinungsform der Mutationen an zu passen, wobei eingebürgerte Bezeichnungen die diese Normen entsprechen, selbstverständlich aufrechterhalten bleiben.

 

Pastell

Diese Mutation vererbt autosomal und ist rezessiv in Bezug auf die grüne Wildfarbe.

Genetisches symbol: apa (pa = pastell; apa = mehrfaches Allel von a); Wildform a+.

 

Beschreibung Pastel (hell)grün

Vorderkopf und Maske sind wie bei der Wildform. Hinterkopf, Nacken, Rücken und Flügeldeck grünlich gelb. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken gelb mit einem grünen Schimmer. Bürzel und Oberschwanzdecken sind zart hellblau; Handschwingen hellgrau mit gelblicher Auβenfahne. Die sekundären Schwanzfedern zeigen, von der Basis aus gesehen eine hellgrau-rot-hellgraue Querzeichnung; die Spitzen der Schwanzfedern sind alle zart hellblau gesäumt. Der schnabel ist hellhornfarbig, die Schnabelspitze hellgrau. Die Füβe sind hellgrau, die Krallen grau.

 

Dilute

Diese Mutation vererbt autosomal und ist rezessiv in Bezug auf die grüne Wildfarbe.

Genetisches Symbol: dil (dilute); Wildform dil+

 

Beschreibung Dilute (hell)grün

Vorderkopf und Maske sind wie bei der Wildform. Hinterkopf, Nacken, Halsseiten, Rücken und Flügeldeck sind gelb, etwas grünlich getönt. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind gelb, grün überhaucht. Bürzel und Oberschwanzdecken sind blau überhaucht; Handschwingen graugelb. Die sekundären Schwanzfedern zeigen, von der Basis aus gesehen eine blaβgrau-rot-blaβgraue Querzeichnung; die Spitzen der Schwanzfedern sind alle fahl hellblau gesäumt. Der schnabel ist hellhornfarbig. Die Füβe sind fleischfarbig, die Krallen hornfarbig.

 

Pastell gesäumt

Der Pastell-gesäumt-faktor vererbt autosomal und ist rezessiv in Bezug auf die grüne Wildfarbe.

Genetisches Symbol: ed (= edged = gesäumt); wildform: ed+

 

Beschreibung Pastel-gesäumt-(hell)grün (früher gelb gesäumt genannt).

Vorderkopf und Maske sind wie bei der Wildform. Charakteristisch für diesen Farbschlag sind die gesäumten Flügeldeckfedern und dunkelen Federschaften, die dem Flügelddeck ein schuppiges Ansehen geben. Hinterkopf, Nacken, Halsseiten und Rücken sind blaβ olivgrünlich gelb. Das Flügeldeck ist etwas heller getönt mehr gelb, grün überhaucht; die einzelnen Flügeldeckfedern sind hellgrau gesäumt mit hellgrauem Schaft. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind blaβ gelbgrün. Bürzel und Oberschwanzdecken sind blaβ hellblau überhaucht; Handschwingen gelbgrün, mit hellgrauen Auβenfahnen und Spitzen. Die sekundären Schwanzfedern zeigen, von der Basis aus gesehen eine hellgrau-rot-hellgraue Querzeichnung; die Spitzen der Schwanzfedern sind alle blaβ hellblau gesäumt. Der Schnabel ist hellhornfarbig. Die Füβe sind hellgrau, die Krallen grau.

 

Aqua

Der Aquafaktor vererbt autosomal und ist rezessiv in Bezug auf die grüne Wildfarbe.

Genetisches Symbol: blaq (bl = blue = blau, aq = aqua; aq = mehrfaches Allel von bl);  Wildform bl+.

 

Beschreibung Aqua (früher pastellblau genannt)

Vorderkopf und ein schmaler Streifen über und hinter den Augen sind tief rosa. Wangen, Zügel, Halsseiten Kehle und Oberbrust sind blaβ rosa. Die allgemeine Körperfarbe ist blau-grün; Hinterkopf, Nacken, Flügeldecken und Rücken sind blaugrün. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind blau, grün überhaucht. Die Daumenfittiche in der Flügelbug sind blaβgelb; Handschwingen grau mit grünlichblauer Auβenfahne. Die Unterflügeldecken sind grünlich blau. Bürzel und Oberschwanzdecken sind tief blau. Von den groβen Schwanzfedern, die nahezu gänzlich von den Ober- und Unterschwanzdecken verdeckt sind, sind die primären Schwanzfedern blau-grün, die sekundären Schwanzfedern zeigen, von der Basis aus gesehen eine schwarz-rosa-schwarze Querzeichnung; die Spitzen der Schwanzfedern sind alle hellblau gesäumt.

Der Rest gleicht der Wildfarbe.

 

Turquoise (= Türkisblau)

Diese Mutation vererbt ebenfalls autosomal und ist rezessiv in Bezug auf den Wildfaktor und Aqua.

Genetisches Symbol: bltq (tq = turquoise; tq = mehrfaches Allel von bl); Wildform bl+.

 

Beschreibung Turquoise  (früher Weiβ- oder Blaβmaske genannt)

Vorderkopf und ein schmaler Streifen über und hinter den Augen sind weiβlich, etwas rosa getönt. Wangen, Zügel, Halsseiten und Kehle sind weiβlich, rosa überhaucht auf der Oberbrust allmählich übergehend in weiβ. Hinterkopf, Nacken, Halsseiten, Flügeldecken und Rücken sind blaugrün. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind blau mit einem kaum sichtbaren grünen Hauch überdeckt. Die Daumenfittiche in der Flügelbug sind weiβlich.

Die sekundären Schwanzfedern zeigen, von der Basis aus gesehen eine schwarz-weiβlich-schwarze Querzeichnung, hellblau auslaufend.

Der Rest gleicht dem Aqua.

 

Die Dunkelfaktoren

Bei den Rosenköpfchen unterscheidet man verschiedene Dunkelnuancen in der allgemeinen Körperfarbe. Auβer der grünen Wildfarbe, sind das die Farbschläge D-grün (dunkelgrün) und DD-grün (olivgrün). Diese Dunkelnuancen der Grundfarbe werden verursacht durch Strukturveränderungen in den Federästen des Gefieders infolge eines mutierten Erbfactors, dem sogenannten Dunkelfaktor.

Der Dunkelfaktor vererbt autosomal und ist unvollständig dominant über die Wildfarbe.

Genetisches Symbol für den Dunkelfaktor: D; Wildfaktor D+.

Der Wildform besitzt keine Dunkelfaktoren (bl+_D+/bl+_D+), daher die Bezeichnung (hell)grün); das D-grüne (dunkelgrüne) Rosenköpfchen hat ein Dunkelfaktor (bl+_D+/bl+_D), das DD-grüne (olivgrüne) hat zwei Dunkelfaktoren (bl+_D/bl+_D).

Dasselbe gilt für die Aqua- und die Turquoiseserie: aqua = kein Dunkelfaktor; D-aqua = ein Dunkelfaktor; DD-aqua = zwei Dunkelfaktoren. So auch turquoise = kein Dunkelfaktor; D-turquoise = ein Dunkelfaktor; DD-turquoise = zwei Dunkelfaktoren.

 

Beschreibung D-grün (dunkelgrün)

Vorderkopf und Maske wie bei der Wildform. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind dunkelgrasgrün. Hinterkopf, Nacken, Flügeldeck und Rücken sind dunkelgrün; das Dunkelgrün der Flügel macht einen marmorierten Eindruck. Bürzel und Oberschwanzdecken sind tief kobaltblau. Die Handschwingen sind grau mit dunkelgrüner Auβenfahne. Die sekundären Schwanzfedern zeigen, von der Basis aus gesehen eine schwarz-rot-schwarze Querzeichnung, kobaltblau auslaufend.

Der Rest gleicht der Wildfarbe.

 

Beschreibung DD-grün (olivgrün)

Vorderkopf und Maske wie bei der Wildform. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind olivgrün. Hinterkopf, Nacken, Flügeldeck und Rücken sind dunkelolivgrün; das Olivgrün der Flügel macht einen marmorierten Eindruck. Bürzel und Oberschwanzdecken tief bleigrau. Die Handschwingen sind grau mit dunkelolivgrüner Auβenfahne. Die sekundären Schwanzfedern zeigen, von der Basis aus gesehen eine schwarz-rot-schwarze Querzeichnung, bleigrau auslaufend.

Der Rest gleicht der Wildfarbe.

 

Zimt

Die Zimter verdanken ihren Namen in erster Linie ihren zimtbraunen Schwingen. Es handelt sich hier um eine Mutation bei der die letzte Stufe des biochemischen Prozeβes der Melaninbildung gestoppt wird mit der Folge, daβ nur braunes, statt schwarzes Eumelanin gebildet wird.

Der Zimtfaktor vererbt gekoppelt an dem X-chromosom oder – wie es im Volksmund heiβt geschlechtsgebunden und ist rezessiv in Bezug auf den Wildfaktor (lese: nicht-mutierter Zimtfaktor).

Genetisches Symbol cin; Wildform cin+

Das Zimtmännchen wird Xcin/Xcin geschrieben, das Zimtweibchen Xcin/Y

 

Beschreibung Zimt (hell)grün

Vorderkopf und Maske wie bei der grünen Wildfarbe. Charakteristisch für diesen Farbschlag sind die zimtbraunen Schwingen. Hinterkopf und Nacken sind blaβ lorbeergrün. Rücken und Flügeldeck sind lorbeergrün mit einem seidenartigen Glanz. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und unterschwanzdecken sind gelblich grün mit einem seidenartigen Glanz. Bürzel und Oberschwanzdecken sind zart hellblau. Schwingen braun mit lorbeergrüner Auβenfahne. Die sekundären Schwanzfedern zeigen eine braun-rot-braune Querzeichnung, hellblau auslaufend. Füβe fleischfarbig, Krallen hellhornfarbig.

Der Rest gleicht der Wildfarbe.

 

Ino

Der Inofaktor (ino = abgeleitet von albino) wird in Züchterkreisen meistens gebraucht als Sammelnamen für die Farbschläge, Lutino, Creme-Ino und Albino. Der Faktor vererbt gekoppelt an dem X-chromosom und ist rezessiv in Bezug auf den Wildfaktor (lese: nicht-ino).

Genetisches Symbol: ino; Wildform ino+

Das Ino-männchen wird Xino/Xino geschrieben, das Ino-weibchen Xino/Y

 

Beschreibung Lutino

Vorderkopf und Maske wie bei der grünen Wildfarbe. Die Übergangszone zwischen dem rosaroten Teil der Wangen und dem gelben Nacken ist weiβlich mit einem rosa Hauch. Die allgemeine Körperfarbe ist gelb;  Handschwingen blaβ gelb. Bürzel und Oberschwanzdecken sind weiβ. Die sekundären Schwanzfedern zeigen eine rote Querzeichnung; die Federspitzen sind weiβ. Die Augen sind rot. Der Schnabel ist hellhornfarbig.  Die Füβe sind fleischfarbig, die Krallen hellhornfarbig.

 

Pallid

Auch die Pallidmutation vererbt gekoppelt an dem X-chromosom und ist recessiv in Bezug auf den Wildfactor (lese: nicht-pallid).

Genetisches Symbol: inopd (pd = pallid; mehrfaches Allel von ino); Wildfaktor: ino+.

Das Pallid-männchen wird X inopd/X inopd geschrieben, das Pallid-weibchen Xinopd/Y

 

Beschreibung Pallid (hell)grün (früher: Isabel hellgrün)

Vorderkopf und Maske wie bei der grünen Wildfarbe. Hinterkopf, Nacken, Rücken und Flügeldeck sind blaβ grasgrün. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind mat grasgrün, deutlich heller als Rücken und Flügeldek. Bürzel und Oberschwanzdecken sind hellblau. Handschwingen braungrau, die Auβenfahnen sind bedeutend heller. Die sekundären Schwanzfedern zeigen eine braungrau-rot-braungraue Querzeichnung; die Federspitzen sind hellblau. Füβe fleischfarbig, Krallen hellhornfarbig.

Der Rest gleicht der Wildfarbe.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   

 

indgrat grasgrün,erschwanzdecken sind mat grasgrDie Falben

Man underscheidet zwei verschiedene Mutationen, und zwar:

1      Eine Falbe-Mutation die in West-Deutschland aufgetreten ist, diese wird heutzutage Bronze-Falbe genannt (früher Westdeutscher Falbe oder Falbe Mutation I.

    Der Bronze-Falbe vererbt autosomal und ist rezessiv in

    Bezug auf den Wildfactor.  

        Genetisches symbol: abz (bz = bronze; mehrfaches Allel von a); 

    Wildform a+.

2      Eine Mutation, die zum ersten Mal in die frühere DDR erschien, diese wird jetzt Pale-Falbe genannt. (früher Ostdeutscher Falbe oder Falbe Mutation II)

    Der Pale-Falbe ist ebenfalls eine mutation mit einer autosomale  

    Vererbungsweise und rezessiv in Bezug auf den Wildfaktor.

    Genetisches Symbol: pf; Wildform pf+

Charakteristisch für beide Mutationen ist die rote Augenfarbe.

 

Beschreibung Bronze-Falbe (hell)grün

Vorderkopf und Maske wie bei der grünen Wildfarbe. Die Handschwingen sind bedeutend brauner wie der Pale-Falbe und vergleichbar mit den Zimtern. Die allgemeine Körperfarbe ist etwas heller als die der Zimter. Bürzel und Oberschwanzdecken sind hellblau. Die sekundären Schwanzfedern zeigen eine braun-rot-braune Querzeichnung; die Federspitzen sind hellblau. Die Augen sind rot. Der Schnabel ist hellhornfarbig. Die Füβe sind fleischfarbig, Krallen hellhornfarbig.

 

Beschreibung Pale-Falbe (hell)grün

Vorderkopf und Maske wie bei der grünen Wildfarbe. Hinterkopf, Nacken, Rücken und Flügeldeck sind gelb, grün überhaucht. Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind gelblich, leicht grün überhaucht, doch die Farbe des Unterleibes ist deutlich heller als Rücken und Flügeldecken. Bürzel und Oberschwanzdecken sind hellblau. Die Handschwingen sind hellbraungrau mit deutlich hellerer Auβenfahne. Die sekundären Schwanzfedern zeigen eine hellbraungrau-rot-hellbraungraue Querzeichnung; die Federspitzen sind hellblau. Der Rest gleicht dem Bronze-Falben.

 

Rosamaske

Diese Mutation vererbt autosomal und ist dominant in Bezug auf den Wildfaktor (lese: Nicht – Rosamaske).

Genetisches Symbol: maPh (Ph mehrfaches Allel von ma); Wildform ma+.

 

Beschreibung Rosamaske

Vorderkopf und schmaler Streifen über und hinter den Augen sind rosarot. Wangen, Zügel, Halsseiten und Kehle rosarot, auf der Oberbrust übergehend in rosa. Die allgemeine Körperfarbe ist etwas heller als die grüne Wildfarbe. Die sekundären Schwanzfedern zeigen eine schwarz-rosarot-schwarze Querzeichnung.

Der Rest gleicht der Wildfarbe.

 

Orangemaske

Diese Mutation vererbt autosomal und ist rezessiv in Bezug auf den Wildfaktor.

Genetisches Symbol: maor (mehrfaches Allel von ma) Wildform ma+.

 

Beschreibung Orangemaske (hell)grün

Vorderkopf, schmaler Streifen über und hinter den Augen, Wangen Zügel Halsseiten, Kehle und Oberbrust sind orange. Hinterkopf, Nacken, Rücken und Flügeldeck sind grasgrün, doch eine Nuance heller getönt als das wildfarbige Rosenköpfchen. Brust, Bauch, flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind hellgrün, doch etwas gelblicher getönt als die Wildfarbe. Die sekundären Schwanzfedern zeigen eine schwarz-orange-schwarze Querzeichnung.

Der Rest gleicht der Wildfarbe.

 

Violet

Der Violetfactor verursacht eine Strukturveränderung in den Federästen des Gefieders wodurch die allgemeine Körperfarbe dunkler wird und der Bürzel und die Oberschwanzdecken statt blau violet werden.

Obgleich der Violetfaktor auch in den Farbschlägen der Grünreihe gut zu erkennen ist, ist seine Wirkung am Schönsten in den Farbschlägen D-Aqua und D-Turquoise. Aqua-Vögel mit dem Violetfaktor und einem Dunkelfaktor haben eine violette Körperfarbe und einen tief violetten Bürzel. Turquoise-Vögel mit dem Violetfaktor und einem Dunkelfaktor haben ein tief violettes Körper- und Bürzelgefieder. Der Violetfaktor zeigt seine stärkste Wirkung bei den doppelfactorigen Vögeln.

Auffallend ist, daβ wenn man der Violetfaktor kombiniert mit dem doppelfactorigen Dunkelfaktor, die allgemeine Körperfarbe etwas aufhellt.

Der Violetfactor vererbt autosomal und ist unvollständig dominant über den Wildfaktor (lese: nicht-violet).

Genetisches Symbol für den Violetfaktor: V; Wildform V+.

 

Die Schecken

Man unterscheidet bei den Rosenköpfchen zwei Formen von gescheckt:

1. Der dominante Schecke; diese Mutation vererbt autosomal und ist

    unvollständig dominant in Bezug auf den Wildfaktor, das heiβt:

    nicht-dominante Schecke

    Genetisches Symbol für den dominanten Schecke: Pi; Wildform Pi+.

2. Der rezessive Schecke: diese Mutation vererbt autosomal und ist, wie

    sein Namen schon besagt, rezessiv in Bezug auf den Wildfaktor.

    Genetisches Symbol für den rezessiven Schecke: s; Wildform s+.

 

Kennzeichen dominante Schecke (hell)grün

Vorderkopf und Maske wie der Wildform, doch weiniger scharf abgezeichnet, weniger ausgedehnt und weniger intensiv gefärbt als bei der Wildform. Auf dem Hinterkopt befindet sich ein variabeler gelber Fleck. Rücken, Flügeldeck, Brust, Bauch, Flanken, Analbereich und Unterschwanzdecken sind hellgrün, doch durchbrochen von gelben Feldern verschiedener Gröβe. Auch von den Handschwingen sind meist einige, teils oder ganz, aufgehellt. Die Farbe des Bürzels und der Oberschwanzdecken wird von dieser Mutation nicht beeinfluβt und ist tief hellblau. Schnabel hellhornfarbig, mit dunkler Spitze. Füβe grau; die Krallen variieren von grau bis hellhornfarbig.

 

Kennzeichen rezessive Schecke (hell)grün

Vorderkopf und Maske wie bei der Wildform, doch weiniger scharf abgezeichnet, weniger ausgedehnt und weniger intensiv gefärbt als bei der Wildform. Im Gegensatz zu dominanten Schecken haben die rezessive Schecken eine beständigere und gleichmäβigere Scheckung.

Der gröβte Teil des Gefieders ist gelb, manchmal befindet sich auf Rücken und Flügeldeck noch  ein grüner Hauch. Die Handschwingen der rezessiven Schecken sind fast immer ohne Pigment und gelblich getönt. Bürzel und Oberschwanzdecken sind hellblau. Der Rest gleicht dem dominanten Schecke.

Bemerkung: spalterbige rezessive Schecken zeigen oft einen gelben Fleck auf dem Hinterkopf.

 

Opalin

Der Opalinfaktor verursacht eine Wiederverteilung des Melanins und Psittacins in dem Gefieder. Auf dem Hinterkopf des Rosenköpfchens kann man eine Zunahme der roten Psittacinbildung und zur gleichen Zeit eine Abnahme der Melaninbildung feststellen. Auf Bürzel und Oberschwanzdecken bewirkt diese Mutation eine Zunahme des gelben Psittacins in diesen Gefiederteilen, wodurch diese optisch grün, blau überhaucht werden. Auch in den sekundären Schwanzfedern gibt es eine starke Zunahme von Rot und eine starke Reduktion von Melanin, wodurch die schwarze Querzeichnung und die blauen Federspitzen wegfallen.

Der Opalinfaktor vererbt gekoppelt an dem X-chromosom und ist recessiv in Bezug auf den Wildfaktor (lese: nicht-opalin).

Genetisches Symbol: op; Wildfaktor: op+.

Das Opalin-männchen wird Xop/Xop geschrieben, das Opalin-weibchen Xop/Y

 

Die Langgefiederten

Seit ungefähr 20 Jahre kennt man bei den Rosenköpfchen einen von der Wildform abweichenden Gefiedertyp, den in Züchterkreisen “long-feathering“ (langgefiedert) genannt wird. Bei diesem infolge einer Mutation entstandenem Gefiedertyp handelt es sich um eine lange Feder mit grober Struktur und viel Unterdaunen an der Federbasis. Die Äste dieses Federtyps sind bedeutend länger als vom Wildformfedertyp, sie stehen etwas weiter auseinander und haben eine andere Struktur, wodurch die Vogelgröβe, aber auch die Farbe des Gefieders direkt beeinfluβt wird. Die Langgefiederten sind gewöhnlich gröβer, doch haben hauptsächlich eine bedeutend  kräftigere Statur im Vergleich zu Vögeln des normalen Federtyps. Der gröβere Körperbau wird also verursacht durch das grobere Gefieder in Kombination mit der Dichte und dem Volumen des Untergefieders. Wenn man einen langgefiederten Vogel in die Hand nimmt, gleicht er einem losen Federbüschel und sein Gewicht ist bedeutend weniger als seine Statur vermuten läβt. Dieser Federtyp hat auch groβen Einfluβ auf die Farbe des Federkleides und zwar in günstigem Sinne. Vögel dieses Federtyps haben intensivere Farben. Dies gilt nicht allein für die allgemeine Körperfarbe, sondern auch für die Farbe der Maske und des Bürzels.

Auβer den unverkennbaren Vorteilen, hat dieser Federtyp auch Nachteile. Die Langgefiederten haben meistens eine schlechtere Flügelhaltung und ein zu loses Gefieder, wodurch die Körperhaltung meinstens Mangelhaft ist im Vergleich mit Vögeln des Wildformfedertyps.

Diese Mutation vererbt autosomal und ist rezessiv in Bezug auf den normalen Federtyp.

Genetisches Symbol: lo (lo = long-feathering); Wildform lo+.  

 

Text: H.W.J. van der Linden