AGAPORNIDEN

 

6. Agapornis swindernianus

 

Der Swindernianus, der kleinste Vertreter der Gattung Agapornis, wurde in 1820 entdeckt und von Kuhl benannt nach seinem Lehrer Dr. Th. van Swinderen, Professor für Naturwissenschaften an der Universität von Groningen.

 

Man unterscheidet drei Unterarten:

Agapornis swindernianus swindernianus (Kuhl, 1820) - Grünköpfchen

Wohngebiet: Liberia.

 

Agapornis swindernianus zenkeri Reichenow, 1895 – Zenkers Grünköpfchen.

Wohngebiet: Kamerun, Ost-Gabun bis Zentral-Zaire.

Diese Unterart, die in 1895 entdeckt wurde, bekam seinen Namen von seinem Deutschen Entdecker, dem Biologen Georg Zenker (1855 – 1922).

 

Agapornis swindernianus emini Neumann, 1908 – Emins Günköpfchen

Wohngebiet: Der Osten von Zaire bis tief in West-Uganda.

Diese Unterart bekam in 1908 den Namen seines Entdeckers, dem Deutschen Mediciner und Forschungsreisenden Mehmes Emin Pascha (1848- 1882), der eigentlich Dr. Eduard Schnitzer hieβ.

Diese Unterart is umstritten.

 

Beschreibung Agapornis swindernianus swindernianus

Länge: 13 cm.

Männchen und Weibchen: Vorderkopf, Oberscheitel und Hinterkopf grasgrün. Wangen und Kehle mehr gelblich grün. Allgemeine Körperfarbe grün, etwas matter und blaβer auf Brust, Bauch und Analbereich. Im Nacken befindet sich ein charakteristiches, kurzes, schwarzes Band,  anschliesend ein, schmaler gelber bis olivgelber Kragen im ganzen Nackenbereich. Das Flügeldeck, der Rücken und die Unterflügeldecken sind grün. Die Handschwingen sind  schwarz. Bürzel und Oberschwanzdecken sind violetblau; Unterschwanzdecken gelblich grün. Die primären Schwanzfedern sind grün, die sekundären Schwanzfedern lassen von der Basis aus gesehen einen Orangefarbenen und Schwarzen Querstreifen und am Ende einen grünen Saum sehen. Die Augen sind braun mit einem hellgelben irisring. Der Schnabel ist antraciet.

Die Füβe sind grünlich dunkelgrau, die Krallen dunkelgrau.

 

Beschreibung Agapornis swindernianus zenkeri

Männchen und Weibchen: Unter dem schwarzen Band im Nacken befindet sich ein rötlich brauner Kragen der sich wie einen Hauch über die Halsseiten ausbreitet bis auf die Oberbrust und dort allmählich übergeht in die blaβgrüne Farbe der Unterbrust. Der Rest gleicht der Nominatform.

 

Beschreibung Agapornis swindernianus emini

Männchen und Weibchen: Der rötlich braune Kragen um den Hals ist  viel weniger ausgedehnt und reicht bei weitem nicht bis auf die Oberbrust. Der Schnabel is viel stärker gebogen.

Der Rest ist wie bei A. s. zenkeri.

 

Habitat

Das Grünköpfchen ist ein Bewohner der nahezu unzugänglichen Regenwälder. Wahrscheinlich is dies auch die Ursache, daβ so wenig über das Benehmen dieser Art bekannt geworden ist. Ja, die überwiegend grüne Farbe dieser Vogelart bildet eine hervoragende Schutzfarbe gegen den grünen Hintergrund des Laubes, sodaβ die Vögel oft unsichtbar bleiben. Trotzdem werden öfters kleinere Gruppen in den Bäumen wahrgenommen und auch wohl auf dem Erdboden, auf der Suche nach Insekten. Den gröβten Teil des Tages scheinen sie sich in den hohen Bäumen auf zu halten, am liebsten in wilden Feigenbäumen.

Untersuchungen des Kropfinhalts haben ergeben, daβ ein wichtiger Teil ihres Menüs aus Insekten und Feigenfrüchten besteht; manchmal wurde auch milchreifer Mais angetroffen. Ab und zu wurden kleine Gruppen in der Nähe von Hirsefeldern gesichtet doch ob von der Hirse gegessen wurde konnte nicht festgestellt worden.

Über die Brutgewohnheiten dieser Vögel is nichts bekannt. Man vermutet daβ sie genau wie der Agapornis pullarius in Baumnisten von Termiten brüten. Auch hat man ab und zu gerade ausgeflogene Jungvögel gefangen wobei festgestellt wurde daβ der schwarze Nackenband fehlte, der Schnabel hellgrau war und die Basis des Obersschnabels einen schwärzlichen Fleck aufwies.

 

Avikultur

Diese Vögel werden sehr wahrscheinlich auβerhalb ihres Wohngebietes nicht in Gefangenschaft gehalten. Brockmann und Lantermann erwähnen von einigen Importen in Europa um 1985. Die Vögel überlebten die Quarantäneperiode nicht mal. Es gab hauptsächlich Ernährungsprobleme weil die Vögel nur eine bestimmte Feigensorte essen wollten, anderes Futter wurde abgelehnt.

Der Niederländer S. Tol sah in der Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, während einer Reise in Nigeria ein Grünköpfchen das in Gefangenschaft gehalten wurde. Das Tierchen verblieb in einem Käfig auf der Varanda eines Hauses. Morgens wurde das Vögelchen frei gelassen. Abend kehrte es zurück und flog von alleine in seinen Käfig.

Tagsüber raffte es sich sein Futter zusammen und versah sich auch von Wasser.

Pater Hutsebout, der diese Vögel viele Jahre in ihre natürliche Umgebung beobachtete, hielt sie geraume Zeit in Gefangenschaft. Das Futter bestand aus wilden Feigen, wovon sie alleine die Kernen nahmen. Andere Nahrung wurde nicht akzeptiert. Ohne Feigen gingen sie nach drei bis vier Tagen ein.

Hieraus könnte man schlieβen daβ diese Vögel neben Insektenfresser besondere Samenfresser sind. Wie bekannt, wurde das Grünköpfchen nie in Europa in Gefangenschaft gehalten. Sollten sie aber je importiert werden, dann müβen nebst Feigen, Mehlwürmer und Ameisenpuppen eine sehr variierter Samenmischung angeboten werden. Weil in den Gebieten wo diese Vögel leben auch Mais, Reis und Hirse verbaut wird, dürfen diese Samenarten in solch einer Mischung nicht fehlen. Vorläufig sieht es aber nicht danach aus, daβ man diese Art hier je zu sehen bekommt.

 

Text: H.W.J. van der Linden