AGAPORNIDEN

 

3. Agapornis pullarius

 

Nach einem Bild aus dem 16. Jahrhundert vorstellende “Dame mit Vogel“ wird der Agapornis pullarius schon mehr als vierhundert Jahre als Haustier in Europa gehalten. Wahrscheinlich wuβte man in der Zeit nicht mal welche Vogelart man sich ins Haus hohlte. Erst in 1758 wurde diese Art erstmals wissenschaftlich beschrieben und bekam der Vogel seinen hiesigen Namen, abgeleitet von den lateinischen Wörtern pullus (= junges Tier, junges Geflügel) und arius (= ähnlich), frei übersetzt: einem Jungvogel ähnlich.

 

Man unterscheidet zwei Unterarten:

 

Agapornis pullarius pullarius (Linnaeus 1758) - Orangeköpfchen

Wohngebiet: Zentral-West-Afrika von Guinea bist Nord-Angola ebenfalls Zentral-Afrika ostwärts bis Südwest-Sudan und Albertsee, auβerdem auf der Insel Săo Tomé, früher auch auf Príncipe und Bioko (Fernando Poó).

 

Agapornis pullarius ugandae (Neumann 1908) – Uganda-Unzertrennlicher

Wohngebiet: östlich Zentral-Afrika von Südost-Sudan und Südwest-Äthiopien südwärts bis der Kigoma-Region in Tansania.

Die Unterart Agapornis pullarius ugandae wurde erst in 1908 entdeckt und beschrieben. Die zugefügte Bezeichnung ugandae bezieht sich auf der ostafrikanische Staat Uganda wo diese Unterart von Neumann entdeckt wurde.

 

Beschreibung Agapornis pullarius pullarius

Länge: ungefähr 15 cm.

Mänchen: Stirn, vorderer Oberkopf, Wangen und obere Kehle orangerot. Algemeine Körperfarbe grün; hinterer Oberkopf, Nacken, Rücken und Flügeldecken grün, das Grün der Flügeln macht einen marmorierten Eindruck. Brust, Flanken, Schenkeln und Bauch gelblichgrün. Handschwingen dunkelgrau mit grünen Auβenfahnen. Der äuβere Rand des Flügelbugs ist dunkel ultramarineblau mit hier und da einige hellblaue Federchen; Flügelranddecken gelb. Die Unterflügeldecken sind schwarz. Der Bürzel is hellblau.

Oberschwanzdecken grün; Unterschwanzdecken gelblichgrün. Die groβen Schwanzfedern, die nahezu gänzlich von den Ober- und Unterschwanzdecken verdeckt sind, sind grün, die sekundären Schwanzfedern zeigen, von der Federbasis aus gesehen, einen gelben, orangeroten und schwarzen Querstreifen. Der Schnabel ist tomatenrot und zeigt an der Basis einen schmalen Streifen weiβer Wachshaut. Die Augen sind dunkelbraun. Um die Augen befindet sich ein schmaler Augenring von weiβen und blauen Federchen. Die Füβe sind grau, die Krallen dunkelgrau.

Weibchen: Stirn, vorderer Oberkopf, Wangen und obere Kehle blaβ orangerot. Das Blau am Flügelrand fehlt. Die Unterflügeldecken sind grün. Der Rest gleicht dem Mänchen.

 

Beschreibung Agapornis pullarius ugandae

Bei dieser Unterart is das Bürzelgefieder blaβ hellblau. Alles Andere ähnelt sich der Nominatform.

 

Habitat

Diese Agaporniden leben vorzugsweise in offenen Waldgebieten oder baumbestandenen Savannen. Ein groβer Teil des Tages verbringen sie auf dem Boden auf der Suche nach Nahrung. Sie hängen an den hohen Grashalmen um an den Samen zu gelangen. Auβerdem leben sie von Beeren, Früchten, Feigen und Blattknospen. In kleinen Gruppen von ungefähr 20 Vögel wandern sie durch die weite Gegend auf Nahrungssuche. Auf reifenden Korn- und Milletfeldern erscheinen sie manchmal in Gruppen bis zu 200 Vögel und richten in kürzerster Zeit eine enorme Verwüstung an. Von der Einheimische Bevölkerung werden sie deswegen heftig bejagt.

In der Natur nagt das Weibchen mit ihrem Schnabel eine Bruthöhle in die bewohnten Bauten baumbewohnender Termiten, die sich auf groβer Höhe in den Bäumen befinden. Es scheint das nur selten von einem Termitenhügel gebrauch gemacht wird. Ein derartiger Termitenbau wird von den Termiten aus Erde, Faeces und Speichel angefertigt. An der Auβenseite sind diese Bauten sehr hart, innerhalb des Baus ist die Substanz weicher.

Obwohl Termiten agressive Tiere sind, besonders wenn ihre Bauten gestört werden, scheinen sie die Anwesentheit dieser Vögel zu akzeptieren. Wahrscheinlich baut der A. pullarius sein Nest in einem Teil des Baus daβ nicht von den Termiten bewohnt wird, sodaβ beide Arten der Bewohner friedlich neben einander leben können.

 

Unterbringung und Pflege

Am Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhundert wurden diese Agaporniden in groβen Mengen eingeführt und waren sie bei den Liebhabern ziemlich gut bekannt. Heutzutage stehen nur sehr wenig Orangeköpfchen zur Verfügung, hauptsächlich weil es sich herausgestellt hat daβ sie sich im Volieremilieu nur mühsam fortpflanzen.

Das Orangeköpfchen gilt auβerdem zum gesundheitlich anfälligsten Mitglied der Gattung und ist sehr scheu. Neu importierte Orangeköpfchen müssen mit der gröβten Sorge umgeben werden.

Diese Art ist berüchtigt wegen der hohen Sterblichkeit ungefähr drei Monate nach der Einfuhr. Ohne sichtbare Anweisungen, fangen die Vögel plötzlich an nach Luft zu schnappen, von der Sitzstange runter zu fallen und wild mit den Flügeln und den Füβen um sich her zu schlagen wobei sie rücklings auf dem Boden liegen und unter Schockerscheinungen sterben. Vermutlich geht es hierbei um eine noch unbekannte Viruskrankheit.

Orangeköpfchen sind weiter sehr anfällig für Zugwind und Kälte auβerdem sind sie auβerordentlich streβgefühlig.

Orangeköpchen sind friedlicher als manch anderes Mitglied der Gattung Agapornis und in einer geräumigen Voliere kann man sie ohne Bedenken mit verschiedenen Paaren zusammen halten. Am Besten kann man sie in der ersten Zeit in einer geheitzten Innenvoliere unterbringen und soviel wie möglich in Ruhe lassen. Die Versorgung und das betreten der  Voliere sollte mit der nötigen Vorsicht geschehen. Ein viel vorkommende Todesursache ist eine Gehirnblutung infolge eines Schreckens. Schon durch plötzliches anzünden einer Lampe oder zuschlagen einer Tür können diese Vögel sich zu Tode erschrecken.

Orangeköpfchen schlafen nicht in einem Nistkasten sondern hängen oft wie die Fledermauspapageien mit ihrem Kopf nach unten am Volieredraht. Deshalb empfielt es sich einige kleinen Äste an der Decke des Innenraums an zu bringen. Wenn die Vögel völlig akklimmatisiert sind, kann man sie im Sommer und im Winter in die Auβenvoliere lassen, vorausgesetzt daβ ihr ein geheitzter Innenraum zu verfügung steht.

In Gefangenschaft bekommen die Vögel zuerst ein Samengemisch aus verschiedenen Hirsesorten und Grassamen. Diese Sämereien kennen sie schon aus ihrer Heimat. Auch Milo- und Darikorn kennen sie meistens schon. Auf die Dauer ist diese Nahrung natürlich viel zu einseitig und deshalb muβ man versuchen den Vögeln so bald wie möglich an eine reichhaltigere Samenmischung zu gewöhnen. Auβer dem Samengemisch bekommen die Vögel gekeimte Samen und Obst. Vor allem süβes Obst wie Ananas, Apfel und Birne  werden bevorzugt und meistens sofort aufgenommen. Auch Honigwasser wird gerne getrunken. Es ist zu empfehlen die Vögel an Mehlwürmer und Eifutter zu gewöhnen. Grit,  scharfer Magenkies ebenso wie frisches Bad- und Trinkwasser und Weidenäste zum Benagen dürfen natürlich nie fehlen.

 

 

Zucht

Es hat lange gedauert bis Bruterfolge erziehlt wurden. In der Literatur gibt es Meldungen von Zuchterfolgen zwischen 1870 und 1880 in Frankreich, Deutschland und England. Namen von Züchtern und Daten über diese Bruterfolge fehlen aber, sodaβ ich diese Angaben in Frage stelle. Die Literatur berichtet ferner über erzielte Erfolge mit dieser Art in 1893 bei C.T. Metzger, USA und in 1920 bei E. Spille, Deutschland, aber auch in diesen Fällen fehlen nähere Angaben über die Zucht.

Zum Glück hat es in den späteren Jahren auch einige Bruterfolge gegeben, worüber etwas mehr bekannt geworden ist. So sind einige belgische Liebhabern in den letzen Jahren sehr erfolgreich gewesen. J. Hannes aus Kampenhout züchtete in 1996 10 junge Orangeköpchen. Jac Bossu aus Alken stellte auf der COM-Weltaustellung in Charleroi einige seiner Orangeköpfchen zur Schau, die er ein Jahr eher gezüchtet hatte.

Eine kleine Anzahl erfolgreiche und teilweise erfolgreiche Brutfälle habe ich dokumentiert in der Hoffnung, daβ es unter den Lesern einige Agapornidenliebhabern gibt, die diese Herausforderung annehmen und seriös versuchen werden mit diesen Vögeln zu züchten.

 

Zuchtbericht 1

In 1956 erzielte Arthur Prestwich, einem bekannten englichen Züchter, der damals schon ungefähr 35 Jahre Orangeköpfchen in Gefangenschaft gehalten hatte, den ersten nachweiβlichen Zuchterfolg und dieser gilt deshalb als Welterstzucht. In einer geräumigen Voliere, die an drei Seiten mit Asbestplatten zugemacht war, hatte er 16 kleine Tonnen aus Holz horizontal aufgehängt. Zuvor hatte er die Tonnen mit naβem Torfmull gefüllt und kräftig angestampft und danach trocknen lassen. Um zu verhindern daβ der Torfmull wieder aus den Tonnen rausfallen würde, hatte Prestwich entlang der Unterseite der nach vorne gerichteten offenen Seite der Tonne einige Bretter befestigt. Frühjahr 1954 wurden 31 Orangeköpfchen, die im Inneren seiner Wohnung überwintert hatten, in die Auβenvoliere untergebracht. Einige Weibchen machten Tunnel und Nisthöhlen in dem Torfmull und legten insgesamt 14 Eier. Während des Winters 1954-1955 verblieben die Orangeköpfchen in der Auβenvoliere. Frühjahr 1955 wurden die in der Voliere aufgehängten Tonnen, ersetzt durch kleinere Tonnen mit einer Höhe von nur 35 cm. Wieder wurden von den Weibchen Tunnel und Nisthöhlen ausgegraben. Der Tunnel zur Nisthöhle führte schräg nach oben und hatte eine Länge von 15 bis 17 cm. Die eigentliche Bruthöhle hatte einen Durchmesser von etwa 10 cm. Am 3. Dezember wurde ein soeben ausgeflogener Jungvogel angetroffen, hängend am Volieredraht. Im Jahre 1956 erzielte Prestwich dasselbe Ergebnis; der Jungvogel verlieβ die Nisthöhle am 5. Oktober. Leider starb er einen Monat später an de Folgen extremer Kälte. Das Futter womit Prestwich seine Orangeköpfchen ernährte bestand hauptsachlich aus eingeweichter Hirse und Äpfel.

 

Zuchtbericht 2

Daβ mit einer vielseitigen Ernährung etwas zu erreichen ist, bewies einige Jahre später der Däne Aage Nielson. Sein Zuchtpärchen verblieb zusammen mit anderen Vögeln in einem Teil des Souterrains das in Verbindung stand mit einer bepflanzten Auβenvoliere. Im August 1960 nisteten die Orangeköpfchen in einem horizontalen aus Holz angefertigten Nistkasten mit einer Länge von 40 cm und einer Höhe und Tiefe von 17 cm; Einschlupfloch 7 cm. Zwischen dem 1. und 11. August wurden 5 Eier gelegt. Während der Brutzeit konsumierten die Vögel mehr als 200 Mehlwürmer pro Tag. Aus Nielson’s erstem Versuch wurde leider nichts, vier Jungvögel wurden tot im Ei angetroffen, das 5. Ei war zerbrochen. Am 26 September fing das Weibchen wieder an zu legen. Das zweite Ei kam erst eine ganzen Zeit später, nach dem 1. Oktober;  am 10 Oktober waren es 5 Eier. Bei einer Nistkontrolle am 4. November, waren drei Jungen geschlüpft. Nach drei oder vier Tage starb ein Jungvogel, ein zweiter Jungvogel wurde nach gut einer Woche mit enthauptem Körper im Nest aufgefunden. Der letzte Jungvogel starb noch am selben Tag im Alter von 13 Tagen.

Von diesem Tag an verabreichte Nielson seinen Vögeln zur Probe eine sehr umfangreiche und abwechselende Diät. Auβer der üblichen  Samenmischung und einigen Mehlwürmern, gab er seinen Vögeln eingeweichten Kuchen mit Traubenzucker ebenso Apfel, Birne, Apfelsine, Banane. Feigen, Grapefruit, Salat, Kohl, Löwenzahn, Wegerich, Grassamen, Brennessel, Obstbaumäste zum Benagen und zeitweise eine frische Grassode zum Scharren in der Auβenvoliere.

Juli 1961 began das Weibchen an ein neues Gelege. Daraus wurden zwei Jungvögel geboren. Die Jungen hatten bei der Geburt kurze, helle Flaumfedern, die beim Älter werden allmählich dunkler und schlieβlich  ganz grau wurden. Der Mehlwurmkonsum stieg bis circa 500 Stück pro Tag! Am 13. September verlieβ der älteste Jungvogel den Nistkasten, der Zweite folgte am 15. September. Die Jungvögel sehen ihre Eltern fast ähnlich. Stirn, vorderer Oberkopf, Wangen und obere Kehle sind orangegelb, der Schnabel ist rötlich braun; auf dem Oberschnabel befindet sich ein schwarzer Fleck. Die Unterflügeldecken der Mänchen sind schwarz, die der Weibchen sind grün.

 

Zuchtbericht 3

Auch in Süd-Afrika ist verschiedene Male mit dem Orangeköpfchen gezüchtet worden. Ein Pärchen Orangeköpchen von David Dale aus Kapstadt bekam in 1958 zwei Jungen in einem mit Kork ausgefülltem Nistkasten. Die Jungen starben aber frühzeitig. Ein Jahr später nagten sie wiederum eine Öffnung in dem aufs neue angebrachten Kork und machten darin einen Tunnel der zu der eigenlichen Nisthöhle führte. Erwähnenswert ist, daβ das Mänchen kleine Stücke der Schlingpflanze Impomoea purpurea zwischen den Federn seines Oberrückens in die Nisthöhle brachte.

Die Brutzeit viel zusammen mit einer der näβesten Perioden seit Jahren und der Nistkasten war tagelang ununterbrochen ausgesetzt an andauerndem Guβregen. Trotzdem flog der erste Jungvogel am 30. Mai aus, der Zweite folgte am 3. Juni, drei Andere verlieβen die Nisthöhle am 6., 11., und 14. Juni. Die Jungvögel wurden groβgezogen mit einer Mischung von Glanz und Hirse und grünen Blättchen der oben genannten Schlingpflanze. Die algemeine Regel daβ eine geeignete Brutstätte und eine nahrhafte Ernährung die Basis für Zuchterfolge bilden, scheint in diesem Falle nicht eingetroffen zu sein. Man kann aber ruhig davon ausgehen, daβ der von Dale auf dieser Weise erzielte Erfolg eine seltene Ausnahme von der Regel ist.

 

Zuchtbericht 4

Der Portugiese A. Coelho war in 1977 ebenfalls erfolgreich mit seinen Orangeköpfchen. Coelho besaβ in der periode 1976-1977 vierzehn Brutpaare, dreizehn Paare machten Anstalten zur Brut zwischen Oktober und Dezember 1976. Der erste Jungvogel flog am 25. Dezember aus, ungefähr drei Monate nachdem das Weibchen  angefangen hatte die Nisthöhle aus zu graben. Noch zwei Jungvögel folgten. Einer davon starb nach einem heftigen Platzregen am Tage nachdem er ausgeflogen war.

In den Nistkasten benutzte Coelho Korkblöcke von 15 x 15 x 20 cm und 15 x 20 x 20 cm. Um die Korkblöcke, also an den Auβenseiten, konstruierte er 5 cm dicke,  zusammengepreβte Korkplatten einer gröβeren Härte. Für das Zusammenkleben der sechs Korkplatten wurde ein elastischer Leim verwendet.

Groβer Nachteil einer derartigen Nistkastenkonstruktion ist daβ die Eier unter den Korkresten geraten können. Coelho rät denn auch, sobald das Weibchen fertig ist mit dem Ausgraben der Nisthöhle, den Nistkasten einen Augenblick von der Wand herunter zu hohlen und mit dem Einschlupfloch nach unten die Korkreste heraus zu schütteln. Es dürfte deutlich sein daβ Eier verloren gehen können wenn man diese Handlung ausführt wenn das Weibchen schon mit dem Eierlegen begonnen ist. Es ist also Sache den richtigen Zeitpunkt dafür zu erwischen.

 

 

Zuchtbericht 5

Einer der erfolgreichsten Züchter des Agapornis pullarius ist der deutsche Liebhaber Reinhard Blome aus Bremen. Zwischen September 1974 und Januar 1979 züchtete er 40 junge Orangeköpfchen. Was bei Blome am meisten auffällt, ist die Benutzung einer 18 Watt Wärmequelle an der Unterseite des Nistkastens womit er die Innentemperatur der Nisthöhle konstant auf 30  Grad Celsius hielt.

Im Gegensatz zu anderen Agapornidenarten, die bei Gefahr sofort in ihren Nistkasten verschwinden, verläβt das Orangeköpfchen sein Nest für längere Zeit und hält sich in der Nähe davon auf. Wenn das Brutpaar die Nisthöhle für längere Zeit verläβt, besteht die Möglichkeit daβ die Jungen zuviel abkühlen und sterben. Ein künstlich erwärmter Nistkasten, sowie Blome propagiert kann also tatsächlich einen Ausweg bieten Sterblichkeit vor zu beugen. Übrigens weist Blome darauf hin daβ er die Erwärmung erst anzündet wenn die Jungen geschlüpft sind, dies um zu verhindern daβ die Eier austrocknen. Laut Blome ist es zwecklos seine Methode in der Auβenvoliere an zu wenden. Die Temperaturunterschiede zwischen der künstlich erwärmten Nisthöhle und der ungeheitzten Auβenvoliere, wird für eben ausgeflogen junge Orangeköppfchen häufig fatal sein.

Blome startete seine Zuchtversuche mit der Agapornis pullarius in 1973. Die Nistkasten die er benutzte waren 35 cm lang, 20 cm hoch und 10 cm tief und gefüllt mit einem groβen festen Torf. Nachdem das Weibchen die Nesthöhle mit ihrem Schnabel und ihren Krallen ausgegraben hatte, trug sie Rindenstückchen von Weidenäste zwischen ihren Federn in den Nistraum. Auch nahm Blome wahr daβ das Weibchen den Nisttunnel hinein ging mit Weideblättchen im Schnabel.

Am 17. Oktober legte das Weibchen das erste Ei von einem Gelege von fünf. Zwei Junge schlüpften am 13. November, weitere drie Junge folgten am 14., 16., und 18. November. Wenn man beachtet daβ Agaporniden gewöhnlich jeden zweiten Tag ein Ei legen, ist die Brutdauer 24 Tage. Leider geht es dann unbekannterweise verkehrt. Keiner der Jungvögel wird älter als 16 Tage, einer nach dem Anderen stirbt mit völlig gefülltem Kropf.

Am 1. September fing das Weibchen aufs neue an zu legen, dieses Mahl wurden es vier Eier. Dadurch daβ Blome die Eier von einem Merkmahl versehen hatte, konnte nachher festgestellt werden daβ das zuerst gelegte Ei nicht befruchtet war. Die übrigen Eier kamen am 27., 28. und 30 September aus. Einer der Jungvögel starb nach vierzehn Tagen, die beiden übrigen Jungen entwickelten sich günstig und flogen nach 50 Tagen aus. Laut Blome haben die Junge bei der Geburt rosa Flaumfedern und brechen Hand- und Armschwingen nach 20 Tagen durch.

Das Aufzuchtfutter bestand aus einem handelsüblichen Eifutter woran Blome – um es etwas krümelich und feucht zu machen – geriebene Mohrrübe und Apfel, etwas Honig und den einen oder anderen Sirup hinzugefügt hatte.

 

Zuchtbericht 6

Auch dem Schweizer Emil Zurcher gelang es nach Jahren des Miβgeschicks in 1976 Orangeköpfchen zu züchten. In 1973 waren zwei eines Geleges von drei Eiern befruchtet; ein Jungvogel starb im embryonal Stadium im Ei, der Zweite starb beim Auschlüpfen. In 1974 legte das Weibchen aufs neue. Am 11. Juli gab es ein Gelege von vier Eiern. Erst nach einer Woche fing das Weibchen an zu brüten. Am 8. August stellte sich während einer Nestkontrolle heraus daβ vier Junge Geschlüpft waren, diese aber starben nach einigen Tagen. Am 18. juni 1975 wieder drei Eier. Am 6 Juli zwei Jungvögel, wovon einer am nächtsten Tag starb. Der Andere starb am 23. Lebenstag.

Darauf tritt Zurcher über auf die Methode des erwärmten Nistkastens. Einige Monaten später, am 24. Dezember, wieder ein Gelege von vier. Am 13. Januar 1976 sah es danach aus daβ es wieder neues Leben im Nistkasten gab. Nistkontrolle war erst nach einer Woche möglich als beide Eltern den Nistkasten verlassen hatten. Laut Zurcher schienen die Jungen gröβer zu sein als in vorgenannten Bruten. Die Jungvögel waren mit rosa-weiβen Daunen bedeckt und hatten gut gefüllte Kröpfe.

Nach zehn Tagen fing auch das Männchen an die Jungen zu füttern. Am 31. Januar, also 17 Tage nach dem Auschlüpfen, waren die Augen ein wenig geöffnet und war ihre Länge 7 bis 8 cm. Am 7. Februar waren die güne Federchen auf den Flügeln und dem Körper schon gut sichtbar. Ihr Gewicht betrug, am 25. Lebenstag, 28 und 32 Gramm. Nach 28 Tagen fingen die Junge am mit den Flügeln zu schlagen. Von diesem Moment an kamen die Eltern nur noch im Nistkasten um zu füttern. Nach 50 Tagen saβ der gröβte Jungvogel, ein Weibchen, auf der Sitzstange. An Gröβe unterscheidete es sich kaum von den Elternvögeln. Der zweite Jungvogel, ein Männchen, war kleiner und wurde beim Füttern von dem Gröβeren verdrängt und deswegen teilweise mit der Hand ernährt. Nach zwei Monaten, am 13 März, began das junge Weibchen selbständig futter auf zu nehmen.

Während der Brutzeit bekamen die Vögel gekeimte Kolbenhirse und Hafer, CéDé-Eifutter mit geriebener Mohrrübe, Apfel, frische Ameiseneier und eine gute Samenmischung für Groβsittiche, Negersaat, Hanfsaat und Sonnenblumenkerne.

Zurcher hielt seine Orangeköpfchen in einer Innenvoliere worin die Temperatur minimal 20 Grad Celsius betrug. Die Innentemperatur in der Nisthöhle wurde – im Gegensatz zu Blome der erst erwärmte als die Jungen geschlüpft waren -  von Anfang der Brutzeit an beständig auf 26 Grad Celsius gehalten. Da das Weibchen sich regelmäβig badete und danach sofort wieder zu den Eieren in die Nesthöhle zurückkehrte, blieb die Luftfeuchtigkeit beständig und bestand keine Gefahr daβ die Eier austrocknen würden.

Obwohl Eltern- und Jungvögel sich gut verstanden, wurden die Jungen im Juli, im Alter von 6 Monaten, ausgefangen und in einer anderen Voliere untergebracht.

Als Zurcher kurz darauf den alten Torf im Nistkasten ersetzen wollte, hatte das Weibchen mittlerweile schon wieder gelegt. Es waren vier befruchtete Eier. Am 25. August wurden bei einer Kontrolle drei Jungen gesichtet. Nach 42 Tagen flog der älteste Jungvogel aus, zwei Tage später der Zweite und noch ein Tag später der Dritte. Es waren zwei Männchen und ein Weibchen. Diese Jungvögel wurden bis Dezember bei den Eltern gelassen.

 

Zuchtbericht 7

Einen anderen Bericht worüber ich verfüge, ist von René Quitin aus Hotton, Belgien. Er ist zwar nicht Komplett, aber er befaβt doch einige Einzehlheiten, die in den obenstehenden Berichte nicht erwähnt worden sind. Das Pärchen verblieb in einer Voliere zusammen mit zwei kleinen tropischen Vögeln. Als Nistkasten diente eine Kiste aus Spanholz 90 cm lang, 60 cm hoch und 20 cm tief, die ganz gefüllt war mit dicht aufeinander gepackten Korkplatten. Auf der einen Seite waren in verschiedenen Höhen zwei Öffnungen mit je einer Sitzstange angebracht.

Anfang Juni 1986 wurden winzige Korkstückchen auf dem Bodem unter dem Nistkasten angetroffen. Es war eineHöhle im Kork ausgegraben von etwa 10 cm Länge und einem Durchmesser von etwa 8 cm. Genaue Beobachtung ergab daβ dieses das Werk des Weibchens war. Das Männchen hielt Wache in der unmittelbare Nähe des Nistkastens. Darauf folgte eine Periode in der Männchen noch Weibchen sich für den Nistkasten interessierten.

Ende Juli war das Weibchen plötzlich verschwunden und lieβ sich nicht mehr blicken. Das Männchen verschwand abends ebenfalls in dem Nistkasten. Wochen gingen vorbei ohne daβ man das Weibchen zu Gesicht bekam. Am 25. Juli wurde der Nistkasten mit einem Stethoskop abgehorcht und dabei ergab sich daβ einige Jungen im Nest waren. Am 28 Juli lieβ das Weibchen sich zum ersten Mal während der Brutzeit wieder blicken. Ihre Brustfedern zeigten sich faserig und sie hatte stark abgenommen.

Am 1. August – als das Weibchen die Bruthöhle für einen Augenblick verlassen hatte, wurde der Nistkasten geöffnet und vier Jungen im Alter  zwischen etwa 8 und vierzehn Tage angetroffen. Zwei Jungen waren groβ genug um beringt zu werden; Ringgröβe 4 mm. Nach dieser Störung dauerte es mehr als eine Stunde bis das Weibchen in die Nisthöhle zurückkehrte.

Bis soweit dieser Bericht.

 

Statt mit Torf ausgefüllte Nistkasten könnte man auch einen Torfballen verwenden. Gewöhnlich wird so ein Torfballen von Latten und Eisendraht fest zusammengehalten, sodaβ man darin schon ein paar Löcher machen kann in der Hoffnung daβ die Vögel weiter graben. Ein Nachteil ist daβ man keine Nistkontrolle halten kann.

In der Schweiz gelang es Mattiessen Orangeköpfchen zu züchten in einem Nistkasten, der ganz ausgefüllt war mit Polystyrolschaum.

Die Schluβfolgerung: für Agapornidenzüchter mit viel Erfindungsgabe doch vor allem mit viel Geduld, bietet diese Vogelart noch viel Raum für Proben und Studium.

 

Mutationen

Jim Hayward erwähnt einen blauen Agapornis pullarius. Diese Mutation soll rezessiv vererben. Weitere Information ist nicht vorhanden.

Der Portugiese Coelho soll ein lutino Männchen in seinem Bestand haben oder gehabt haben. Auch diese Mutation soll rezessiv vererben. Vollständigkeitshalber gebe ich hier unten eine Beschreibung dieses Unikums.

Algemeine Körperfarbe tief gelb. Stirn, vorderer Oberkopf, Wangen und obere Kehle orangerot. Handschwingen, der auβerer Rand des Flügelbugs und Bürzel sind weiβ. Die groβen Schwanzfedern sind gelb, die sekundären Schwanzfedern zeigen einen orangeroten Querstreifen. Der Schnabel ist tomatenrot. Die Füβe sind fleischfarbig, die Krallen hellhornfarbig. Um die Augen befindet sich ein schmaler Augenring von weiβen Federchen. Die Augen sind rot.